negative mind chatter

Negative Gedanken und Selbstgespräche – was tun?

Studien zufolge und auch meiner eigenen Erfahrung nach denken wir ständig vor uns hin: dieses interne Geplapper summiert sich im Durchschnitt auf 300 Worte pro Minute (!), und selbst im Traum ist es selten leiser in Deinem Geist.

Du kannst diesen permanenten Strom von Bildern und Gedanken etwas zähmen, mit Meditation zum Beispiel, Du kannst ihn bewußt „von außen“ betrachten, aber Du kannst ihn nicht abstellen. Mir ist zumindest niemand bekannt, der das wirklich könnte, schon gar nicht auf Dauer – es wäre wohl auch nicht sehr gesund.

Fakt ist jedenfalls: ob wir es wollen oder nicht, wir sind unserer eigener Haupt-Kommunikationspartner!

Grund genug, diesem Dauergebrabbel etwas Aufmerksamkeit zu schenken, oder? – und darauf zu achten, über was man sich denn so da mit sich selbst unterhält.

Oft sind es Belanglosigkeiten und Alltagsdinge („muß gleich noch abwaschen“„verdammt, meine Blase drückt“, etc.), flüchtige sexuelle Phantasien drängen sich bei fast allen Menschen alle paar Minuten dazwischen – und gaaaaanz viel von dem Gemurmel ist nicht auf den gegenwärtigen Augenblick bezogen, sondern käut entweder vergangene Ereignisse wieder, oder produziert „Kopfkino“ bezüglich der näheren Zukunft.

Und genau da haben sehr viele von uns einen nervigen Mechanismus entwickelt, der unsäglich viel Energie zieht und unsere Entwicklung und unser Leben behindert.

Der Fokus und das Verweilen bei Negativszenarien und negativen Gedanken.

DER Haupt-Killer für Charisma, Ausstrahlung, Freude, Kreativität, Produktivität und – nicht zuletzt – Liebe.

Die „Niederlage“ in einem geschäftlichen Meeting letzte Woche, das wenig souveräne Streitgespräch mit der Freundin gestern… gerade solche Dinge käuen wir bis zum Erbrechen wieder, und ergötzen uns entweder an Schuld, Frust, Wut und Selbstgeißelung – hacken in unseren Tagträumen auf dem „bösen“ Anderen herum – oder phantasieren uns die Ereignisse in endlosen Schein-Dialogen so lange zurecht, bis die Erinnerung sich verändert und wir eigentlich ja doch „Recht gehabt“ oder „gewonnen“ haben – wobei wir uns das natürlich nicht wirklich glauben.

Führt zu gar nichts, außer zur Verankerung und Fortsetzung negativer Mechanismen und Verhaltensweisen.

Und für die Zukunft gilt ähnliches: auch für das bevorstehende Treffen oder eine Party machen sich sehr viele Menschen am „liebsten“ negatives Kopfkino: „die werden mich bestimmt alle hassen“„meine Haare sehen Scheiße aus, was werden die denken“„Der Chef und die anderen werden mich und meine Ideen doch eh wieder nicht verstehen und mich ignorieren…“

Kennst Du? Klar.

Ich auch.

Und die meisten, die es zugeben können.

Woher das kommt? Führt jetzt zu weit, das aufzudröseln, ist auch individuell unterschiedlich, meist irgendein Kindheitskram und idiotische Programmierung durch Eltern/Schule/Gesellschaft. Ist aber auch egal – man sollte sich nie von der Ursachenforschung daran hindern lassen, konkrete Schritte im Leben zu tun und Dinge zu verändern, selbst wenn man sie noch nicht ganz „geklärt“ oder „aufgelöst“ hat.

Interessanter ist daher: was ist zu tun?

Denn das das zu nichts Gutem führt, und daß gerade die Negativ-Projektionen auf die Zukunft gerne zur „Sich selbst erfüllenden Prophezeiung“ werden, ist ja nun jedem bekannt, der sich auch nur ansatzweise mit sich selbst und dem Funktionieren des menschlichen Geistes und den merkwürdigen Mechanismen der „Realitätsentstehung“ befaßt hat.

Also – was tun? Erkennen, abstellen, ersetzen!

Das ist einfacher gesagt, als getan – und obendrein sind eine Menge fragwürdiger Ideen und Rezepte dazu im Umlauf.

Schritt 1: Erkennen

Hör Dir selbst zu. Werde Dir Deiner inneren Gespräche bewußt, und „lausche“ ein wenig, noch ohne allzuviel einzugreifen, oder sofort zu bewerten und Dich für Deine Gedanken zu verurteilen. Nicht nur beim Meditieren, sondern „immer“.

Worüber redest Du mit Dir? Welche Selbstgespräche sind am intensivsten, welche beschäftigen Dich manchmal stundenlang, in ewig leicht variierender Wiederholung? Wovon werden sie ausgelöst, an was für Themen oder Ereignissen beißt Du Dich am meisten fest?

Du kannst bereits dadurch eine Menge über die eigenen Ängste, Blockaden und nutzlosen Projektionen lernen – und manchmal lindert sich das Übel bereits durch das Bewußtwerden.

Doppelschritt 2 +3: Abstellen/Ersetzen

Da wir nicht dauerhaft „nichts“ denken können, wirst Du, sobald Du die negativen Gedankenmuster identifiziert hast und Dich entschieden hast, welche Du am dringendsten loswerden willst, diese jedesmal, wenn sie auftauchen, blitzartig erkennen, stoppen, und durch Besseres ersetzen.

Das erfordert Zeit, Übung, Geduld – und allerlei lustige Techniken sind dafür entwickelt worden, von einer immer bereitgehaltenen Stecknadel, mit der man sich bei „verbotenen“ Gedanken piekst, über Hypnose und EFT bis zu den Techniken des NLP. Kann man alles machen (wobei die Techniken, die Selbstbestrafung beinhalten, nicht unbedingt förderlich sind, je nachdem was man erreichen möchte).

Es reicht aber bereits (und letztlich kommt man eh nicht darum herum, wenn das Ganze sich im Alltag und dauerhaft verändern soll), wenn man „einfach“ nur seine Aufmerksamkeit behutsam trainiert, sich immer öfter bewußt dabei „erwischt“, wenn man negativen Bockmist denkt, sich dann laut und willentlich ein fröhliches „STOP!“ zuruft (mit ein paar bewußten, tiefen Atemzügen verbunden), und dann beschließt, zum gleichen Thema etwas anderes zu denken, etwas besseres, konstruktiveres.

Eine der besten – wenn auch nicht „leichten“ – Übungen für Willensstärke und Aufmerksamkeit/Selbstbeobachtung.

Gib Dir Zeit dafür – Du kannst Jahre oder gar Jahrzehnte gründlichen Trainings der Negativität nicht in einem Workshop oder ein paar Wochen wirklich knacken.

Das dauert, und ist ein fortlaufender Prozeß.

Es wird aber einfacher mit der Zeit, – weil man sich immer weniger negative Situationen schafft, mit diesen anders umgeht, weniger Altlasten permanent in seinem Geist herumwälzt, und mehr Schönes zu tun hat, was einem automatisch weniger Zeit zum Bockmist-Denken läßt.

Und mit was ersetzt Du Deine negativen, selbstzerstörerischen Gedanken am besten?

Da wird – selbst von etablierten Hypnotherapeuten und anderen, die es besser wissen sollten – oft ziemlicher Mumpitz empfohlen. „Positives Denken“ wird viel zu oft mißverstanden und falsch angewendet – was präzise und vorhersagbar nach hinten losgeht und erst recht die negativen Muster verstärkt.

Nehmen wir als Beispiel den Satz „alle werden mich hassen“. Häufig wirst Du lesen oder zu hören bekommen, daß Du, wenn Du Dich bei einem solchen Gedanken erwischst, genau das Gegenteil denken und Dir bildhaft vorstellen sollst. Also „alle werden mich lieben und toll finden“, und Du visualisierst dabei, wie Dich alle Deine Freunde und Feinde auf der Party fröhlich umarmen und feiern. Aber in der Realität bist Du vielleicht tatsächlich nicht der oberste Liebling in diesem Kreis, Dein Charisma läßt noch sehr zu wünschen übrig, und von ein paar neutral-freundlichen Begrüßungen abgesehen wird Dich faktisch vermutlich auch niemand groß feiern. Deine im Unbewußten aufgebaute unrealistisch tolle Erwartung wird „scheitern“, die fiese kleine Stimme im Kopf wird sagen „hast es doch eh gewußt – alle werden Dich HASSEN“, und Du hast erfolgreich Dein altes Muster gestärkt. Ist ein bißchen vereinfacht – aber Du verstehst den Mechanismus, denke ich.

Ähnlich beim Chef und dem anstehenden Business-Meeting: vielleicht ist Dein Chef wirklich nicht der Hellste, und Deine Kollegen mußt Du vielleicht auch eher durch gekonnten Smalltalk in der Kaffeepause auf Deine Seite bringen, weil Fakten und Deine brillianten Ideen und Papers im Meeting nur unnötig den Kopf anstrengen und diese Pseudo-„Alpha“-Männchen und Weibchen gewöhnlich nicht nach Vernunft und Fakten entscheiden, sondern nach „Einfluß“ und Neigung. Also bringt es GAR nichts, – außer Enttäuschung, Scheitern und  Verfestigung der alten Denkmuster – wenn Du künstlich-unrealistisch „JA, meine geilen Ideen und unwiderlegbaren Fakten werden den Chef begeistern und meine Kollegen überzeugen“ denkst.

WAS genau Du jeweils denken „sollst“, kannst nur Du Dir beantworten, weil nur Du Dich und Deine „Lieblings“-Situationen und -Themen kennst.

Aber übe Dich, realistisch-konstruktive Gedanken zu denken und Dir Szenarien auszumalen, die möglich sind.

Für die Party könntest Du Dir vornehmen: „Ich werde heute abend einfach ich selbst sein, wem das nicht paßt – auch gut. Und 2-3 vernünftige Menschen, mit denen ich mich gut amüsieren kann, werde ich da schon treffen“. Oder für das Meeting: „Ich werde meine Vorschläge so souverän und packend präsentieren, wie ich es momentan kann – und dabei darauf  achten, was meine Kollegen und mein Chef GENAU tun oder nicht tun, und wie ich sie besser erreichen kann“.

Das sind erreichbare Ziele und gut mögliche Szenarien – und Du wirst viel eher mit einem positiven Gefühl und/oder einem Lerneffekt aus diesen Situationen hervorgehen, und weniger Anlaß für negativen „mind chatter“ in den Tagen danach haben… ;-)

Und beim allerseits Beliebten Wiederkäuen schiefgelaufener Situationen und Niederlagen:  kurz und ohne allzu sehr in die alten Gefühle wieder einzutauchen die Situation analysieren, ohne Urteil, sondern mit dem Blick darauf: „was ist falsch gelaufen?“ – dann „Wie kann ich in solchen Situationen künftig souveräner und besser agieren?“

Anders formuliert: vergiß „Positives Denken“, nutze „Konstruktives Denken“.

Viel Erfolg beim Üben!

 

 

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P.P.S.:  Wenn Du weitergehende Fragen zu negativen Denkmustern und ihrer Bewältigung hast oder Hilfestellung benötigst – empfehle ich Dir einen Blick auf meine Coaching-Angebote. Da kann ich sinnvoll, ausführlich und in einem geschützten Rahmen auf Dich und Deine individuelle Situation eingehen!

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